Die wirtschaftliche Lage im Transport- und Logistikgewerbe spitzt sich weiter zu. Das wurde bei einem digitalen Krisengipfel mit dem Bundestagsabgeordneten Sepp Müller deutlich, an dem zahlreiche Unternehmer aus Sachsen-Anhalt und Niedersachsen teilnahmen.

Auf Initiative von Sepp Müller und organisiert durch den Landesverband des Verkehrsgewerbes Sachsen-Anhalt (LVSA) e. V. kamen Vertreter der Branche gemeinsam mit dem Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN) zu einem offenen Austausch zusammen. Im Mittelpunkt standen die massiv gestiegenen Energie- und Kraftstoffkosten sowie deren konkrete Auswirkungen auf die Betriebe.
Die in dieser Mitteilung dargestellten Einschätzungen basieren auf den Wortmeldungen der teilnehmenden Unternehmer und Verbandsvertreter.

Wettbewerb unter Druck – deutsche Unternehmen im Nachteil

Ein zentrales Thema war der wachsende Wettbewerbsdruck innerhalb Europas. Während Nachbarländer ihre Unternehmen gezielt entlasten, steigen die Belastungen in Deutschland weiter.

CO₂-Abgaben, steigende Mautkosten und hohe Energiepreise treffen die Branche gleichzeitig. Unternehmer berichteten zudem von strukturellen Nachteilen wie hohen Steuerlasten, steigenden Löhnen und verschärften Anforderungen bei der Kreditvergabe.

„Wer im internationalen Wettbewerb bestehen soll, braucht vergleichbare Rahmenbedingungen. Die haben wir aktuell nicht“, lautete eine der zentralen Rückmeldungen.

Realität in den Betrieben: Verluste, Unsicherheit, Existenzangst

Die Praxisberichte aus den Unternehmen zeichnen ein klares Bild:

  • Aufträge werden zu Preisen abgearbeitet, die auf längst überholten Kalkulationen basieren
  • Kostensteigerungen lassen sich kaum noch weitergeben
  • Rücklagen sind vielerorts aufgebraucht
  • Insolvenzen in der Kundschaft führen zu direkten finanziellen Verlusten

Auch Markus Hoyer, Vertreter der Hoyer Group, berichtete von erheblichen Verwerfungen: Bereits im ersten Quartal seien Verluste in siebenstelliger Höhe durch Insolvenzen von Kunden entstanden – und das sei voraussichtlich nur die Spitze des Eisbergs.

Aus der Möbelspedition kam ein weiteres deutliches Signal: Viele Betriebe arbeiten derzeit Aufträge ab, die Monate zuvor kalkuliert wurden – bei inzwischen massiv gestiegenen Kosten. „Die Rücklagen sind aufgebraucht. Wenn Unternehmen jetzt vom Markt verschwinden, kommen sie nicht wieder.“

Der Tenor der Runde war entsprechend eindeutig:

„Wir brauchen keine Lippenbekenntnisse mehr, sondern Taten. Hören Sie endlich auf den Mittelstand, bevor das Rückgrat unserer Wirtschaft bricht.“

Politik sieht begrenzte Spielräume – Branche fordert Tempo

Sepp Müller machte deutlich, dass staatliche Maßnahmen die Preisentwicklungen nur begrenzt abfedern können. Weitere Entlastungspakete seien in Arbeit, müssten jedoch gezielt wirken. Gleichzeitig verwies er auf die begrenzten finanziellen Spielräume: Der Staat könne die aktuellen Preissprünge nicht vollständig kompensieren.

Für die Unternehmen ist genau das der kritische Punkt. Sie erwarten kurzfristig wirksame Maßnahmen – nicht erst in einigen Monaten.

Präsident Ebel warnt vor Insolvenzwelle

LVSA-Präsident Ebel fand in seinem Schlussplädoyer deutliche Worte und warnte vor den Folgen weiterer Untätigkeit:

  • Akute Existenzgefahr: Ohne sofortige Korrekturen bei den Energiekosten stehen zahlreiche Betriebe vor dem Aus
  • Drohende Insolvenzwelle: Die aktuelle Kostenstruktur führt zu einer massiven Pleitewelle mit Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Versorgungssicherheit
  • Handlungszwang: Eine Deckelung der Energiekosten sowie Entlastungen bei der Kraftstoffsteuer seien aus Sicht der Branche zwingend erforderlich

„Wenn sich jetzt nichts bewegt, steuern wir auf eine Insolvenzwelle zu. Das betrifft nicht nur einzelne Unternehmen – das trifft die gesamte Versorgung in unserem Land.“

Ein Problem mit Folgen für alle

Die Auswirkungen reichen weit über die Branche hinaus. Steigende Transportkosten führen zwangsläufig zu höheren Preisen und können langfristig die Versorgungssicherheit gefährden.

Denn klar ist: Es gibt kaum ein Produkt, das nicht irgendwann auf einem Lkw transportiert wurde.

Dialog soll fortgesetzt werden

Trotz der angespannten Lage wurde im Austausch auch die Bedeutung des direkten Dialogs zwischen Politik und Praxis betont. Sepp Müller sagte zu, die vorgetragenen Punkte in die parlamentarische Arbeit einzubringen.

Der LVSA wird den Austausch fortsetzen und die weitere Entwicklung eng begleiten.